Um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben, müssen wir berufliche Anforderungen gut bewältigen. Dazu müssen wir die wichtigsten beruflichen Belastungsfaktoren kennen und wissen, wie wir bereits während der Arbeitsphase Stress eindämmen können.
19.30 Uhr – endlich zu Hause. Keine Kunden, kein Chef – frei. Endlich loslassen und entspannen, meinte Frau Schild. Aber so sehr sie sich auch bemühte, sie fühlte sich innerlich überdreht und angespannt. Lust hatte sie jetzt zu nichts mehr. Selbst das Fernsehprogramm, vor dem sie dann doch hängen blieb, interessierte sie nicht wirklich.
Wie Frau Schild geht es vielen:
- Fast zwei Drittel aller Berufstätigen fällt es schwer, nach der Arbeit richtig loszulassen.
- Etwa 40 % sind permanent innerlich angespannt.
Warum ist das so?
Die Dynamik von beruflicher Belastung und Erholung
Viele Menschen haben ein Erholungsverständnis, das dem Lichtschalterprinzip entspricht. Nach der Arbeit müssten wir doch eigentlich loslassen und entspannen können, so meinen sie, denn die beruflichen Belastungsfaktoren sind jetzt nicht mehr vorhanden. Warum das nicht so einfach ist, beschreibt die moderne Stress- und Erholungsforschung. Die wichtigsten Aspekte sind:
- Art und Dauer der Belastungsphase strahlen in die Erholungsphase aus. Je länger und stärker die Belastungsphase dauert, umso länger braucht es, bis wir uns davon erholen und wieder fit in die nächste Belastungsphase hineingehen können.
- Nach einem stressigen Arbeitstag fühlen wir uns zum einen innerlich überdreht und angespannt. Das Karussell in unserem Kopf dreht sich einfach weiter. Zum anderen fühlen wir uns wie Frau Schild: Nämlich energie- und kraftlos. Im Extremfall haben wir dann zu gar nichts mehr Lust.
- Belastung addiert sich innerhalb des Tages auf. Fühlen wir uns morgens um acht Uhr noch relativ locker, sind wir um elf oder fünfzehn Uhr vielleicht schon ziemlich hektisch.
- Wenn wir uns in der Freizeitphase nicht ausreichend erholen, sind wir in der nächsten Arbeitsphase weniger belastbar.
Wer den ganzen Tag unter Hochspannung steht, kann also nicht erwarten, nach der Arbeit in 15 Minuten körperlich und geistig entspannt zu sein. Auch wenn dies in der Laienpresse immer wieder behauptet wird. Es kann sogar sein, dass sich unser Geist und unsere Psyche nicht einmal bis zum nächsten Morgen richtig erholt haben, wenn wir beispielsweise nach einem hektischen Arbeitstag sogar nachts nicht wirklich zur Ruhe kommen. Dann starten wir in die nächste Arbeitsphase bereits mit einer gewissen Vorbelastung.
Während der Arbeit erholen?
Stress macht nicht nur krank. Wenn wir innerlich überdreht und angespannt sind, sind wir weniger leistungsfähig, können uns weniger gut konzentrieren, können weniger gut Probleme lösen, sind weniger kreativ, können uns weniger gut auf andere einstellen und sind weniger kommunikativ.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir frühzeitig und bereits während der Arbeit versuchen, gegenzusteuern. Das ist allerdings keine leichte Aufgabe. Die Vorteile liegen aber auf der Hand: Wir arbeiten nicht nur besser, sondern fühlen uns nach der Arbeit entspannter. Und wir können unsere Freizeit besser geniessen und uns schneller erholen. Das wirkt sogar positiv in den nächsten Tag: Gut erholt sind wir jetzt wieder belastbarer. Und haben mehr vom Leben.

