Verliebt, verlobt, verheiratet - und manchmal schnell wieder geschieden. Wie muss eine Beziehung geschaffen sein, damit sie von Dauer ist?
Die Statistiken zeichnen ein trauriges Bild: 40 Prozent aller Ehepaare treten vor den Scheidungsrichter, wobei die Scheidungsrate in den Ballungsgebieten besonders hoch ist. Vor allem das dritte und siebte Ehejahr gelten als kritische Phasen des Zusammenlebens. Die oft extrem hohen Erwartungen an den Traumpartner zerbrechen schnell am Alltag.
Natürlich gibt es auch andere. Wie Anna und Marco. Beide schon 50 Jahre zufrieden verheiratet. Natürlich nicht immer glücklich. Auch in ihrer Beziehung gab es Krisen. Trotzdem haben sie in guten wie in schlechten Zeiten zusammengehalten, sich respektiert. Fragt man Anna nach ihrem Erfolgsgeheimnis, so lautet es, den Partner so zu nehmen, wie er ist. Das erwartet sie auch von ihm, und weil es klappt, kocht sie nach wie vor seine Leibgerichte. Im Gegenzug schenkt ihr Marco als Zeichen seiner Liebe noch heute Blumen. Er fühlt sich mit Anna tief verbunden und weiß, dass er mit ihr über alles reden kann und dass auf eine Unstimmigkeit immer die Versöhnung folgt. Der gemeinsame Sinn für die Familie hat sie über die Jahre zusammengeschweißt.
Dass man eine gute Beziehung pflegen muss, ist klar. Aber wie?
Den Partner akzeptieren
Wer wünscht sich nicht den Traumpartner? Wär’ doch schön, genau den zu haben, den man sich gerade wünscht. Allerdings sind unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht immer gleich – sie ändern sich von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr. Mit 30 sind sie noch ganz anders als mit 55. Da müsste ein Partner schon extrem flexibel sein, wenn er alle Wünsche und Bedürfnisse des anderen erfüllen könnte. Da das nicht der Fall ist, neigen wir schnell mal dazu, am anderen herumzudoktern, ihn ändern zu wollen. Eine schlechte Idee. Denn wer will sich schon ändern lassen? Kein Partner kann unser breites Spektrum an sich ändernden Wünschen und Bedürfnissen abdecken – es bleiben immer teilweise unerfüllte Erwartungen bestehen. Das wird sich auch bei einem neuen Partner nicht ändern. Natürlich ist es nicht einfach, den anderen so zu akzeptieren wie er ist. Es bleibt eine Herausforderung, die mal besser, mal schlechter gelingt.
Stress aus der Beziehung raushalten – auf die eigene Balance achten
Stress ist einer der Hauptbelastungsfaktoren für Paare. Warum? Stress macht nicht nur auf Dauer krank, wir verlieren auch schnell mal die Kontrolle über uns. Sowohl im Beruf als auch zu Hause. Gerade unter Stress schnellt die Gefahr in die Höhe, mal etwas ganz Falsches zu sagen, den anderen wirklich zu verletzen. Und bekanntlich haben Kränkungen ein langes Gedächtnis; das nagt an einer Beziehung. Darum ist es für Paare nicht nur wichtig, die eigene Stressbilanz auszugleichen, sondern auch zu lernen, Kränkungen konstruktiv anzugehen. Nicht, indem man sie runterschluckt. Nicht, indem man sich beleidigt und schweigend zurückzieht. Nicht, indem man sie dem anderen wütend vorwirft. Sondern indem man seine Kränkung in einer ruhigen Minute offen anspricht – oder dem anderen per Brief mitteilt. Dann muss der auch nicht gleich reagieren, und fühlt sich weniger direkt angegriffen.
Konstruktives Streiten verbindet
Eine Beziehung bleibt nur dann lebendig, wenn es den Partnern gelingt, über die Themen, die ihnen persönlich wirklich wichtig sind, im Gespräch zu bleiben. Das sind beispielsweise Meinungsverschiedenheiten, Kränkungen, Wünsche und intime Bedürfnisse. Keine leichte Aufgabe. Sie verlangt vom einen, sich zu öffnen – vom anderen, diese Signale wahrzunehmen und auf sie einzugehen. Das geht im Alltagsgeschäft schnell unter. Paare, die sich getrennt haben, geben als Grund deshalb oft an: «Wir konnten nicht mehr miteinander reden.»
Solche Gespräche schaffen aber auch eine große Intimität. Denn wer miteinander spricht, weiß, was den anderen bewegt, was in ihm vorgeht, was er denkt und fühlt. Und das ist der Kitt, der Paare zusammenhält.
Abkühlen
Egal, wie verletzt Sie sind, egal wie berechtigt es in Ihren Augen sein mag, dem anderen gerade jetzt sofort klipp und klar die Meinung zu sagen – tun Sie es nicht. Schlafen Sie mindestens eine Nacht drüber, besser drei. Machen Sie sich dann klar, um was es Ihnen geht, was Ihnen im Gespräch mit Ihrem Partner wirklich wichtig ist. Schreiben Sie es auf.
Positiv einleiten
Betrachten Sie Ihren Partner als jemanden, mit dem Sie die gegenseitige Beziehung verbessern möchten. Jedes Gespräch wird so grundsätzlich in eine konstruktivere Richtung gelenkt. Sprechen Sie es offen aus: «Mir ist es ein Anliegen, dass wir noch besser miteinander auskommen», oder «dass wir besser zueinander finden» – statt gleich loszulegen.
Das Wertvolle im Blick haben
Auch wenn Sie sich viel Mühe geben und vieles richtig machen, kann ein Konf liktgespräch den anderen schnell überfordern. Er reagiert gekränkt und verletzt. Jetzt hilft ihm Verständnis von Ihrer Seite. Indem Sie sagen, was das Wertvolle an Ihrer Beziehung ist, was Sie am anderen schätzen. Das öffnet den Partner für das weitere Gespräch. Dies muss aus Ihrem Inneren kommen und echt sein. Es gelingt am besten, wenn Sie es sich wirklich bewusst machen.
Ich-Botschaften
Statt dem vorwurfsvollen «Nie hast du Zeit für mich!» empfehlen Kommunikationspsychologen die berühmte Ich-Botschaft: «Ich bekomme Angst, dass ich dir nicht mehr wichtig bin, wenn du so wenig Zeit für mich hast.» Es geht darum, zunächst herauszufinden, was in einem selbst los ist. Indem Sie Ihre wahren Probleme, Sorgen, Ängste offen mitteilen, können Sie den Konflikt am besten anpacken.
Zuhören
Richtiges Zuhören ist eine Kunst. Selbst wenn Ihnen das, was Ihr Partner Ihnen mitteilt, eigenartig vorkommt, überlegen Sie sich: Warum sollte er eigentlich Unrecht haben? Jeder hat seine eigene Sichtweise und natürlich haben Sie eine ganz andere. Und jetzt geht es zunächst einfach mal darum, dass Sie versuchen, Ihren Partner zu verstehen. Das fällt leichter, wenn Sie:
- selbst innerlich entspannt sind,
- dem anderen durch Blickkontakt signalisieren, dass Sie ihm Ihre volle Aufmerksamkeit schenken,
- den anderen ausreden lassen,
- sich auf das konzentrieren, was der andere sagt.
Das ist viel verlangt. Und weil das so anspruchsvoll ist, kann niemand dauernd, und schon gar nicht nach einem Stresstag im Büro, gut zuhören. Muss man auch nicht. Aber im Konf liktgespräch ist es gut, wenn man das macht. Drum ist es sinnvoll, einen Termin für ein Konfliktgespräch abzumachen. Und nicht zu glauben, Konflikte zwischen Tür und Angel ansprechen zu können.

