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Geniessen trotz Diabetes

Die heutigen Ernährungsempfehlungen bei Diabetes mellitus Typ 2 beinhalten weniger Restriktionen als früher und entsprechen im Grossen Ganzen den allgemein gültigen Regeln für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. 

Der persönliche Lebensstil ist ausschlaggebend
In der Schweiz leben schätzungsweise 250'000 bis 300'000 Personen, die von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen sind, Tendenz stark steigend. Immer mehr sind jüngere Menschen davon betroffen. Nebst Vererbung spielt bei Diabetikern der eigene Lebensstil eine grosse Rolle. Nehmen das Gewicht und die passiven Stunden vor dem Fernseher zu, verschlechtern sich die Blutzuckerwerte. Durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten können Diabetiker einen grossen persönlichen Beitrag zu ihrer Gesundheit leisten. Dabei gilt das Drei-Säulen-Prinzip: 

  • ausgewogene Ernährung
  • genug Bewegung
  • bei Bedarf Medikamente

Übergewicht als häufigster Auslöser
Übergewicht ist ein häufiger Auslöser von Diabetes mellitus Typ 2. Bei chronisch überhöhter Nahrungsaufnahme verschlechtert sich die Wirkung des körpereigenen Insulins. Darum schüttet der Körper noch mehr Insulin aus. Dadurch wird mehr Fett in die bestehenden Fettzellen eingelagert, was wiederum das Gewicht erhöht. Irgendwann ist die Bauchspeicheldrüse erschöpft, die Insulinproduktion wird reduziert und kann sogar vollständig aufhören. Das führt zu Insulinmangel und zu einer Überzuckerung des Körpers.

Dabei ist besonders bauchbetontes Übergewicht problematisch. Ein Bauchumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern bedeutet bereits ein erhöhtes Risiko. Senken Sie die tägliche Kalorienzufuhr und bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten pro Tag aktiv um abzunehmen. Denn jedes Kilo weniger wirkt sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus.

Aktuelle Ernährungsempfehlung: Die richtigen Kohlenhydrate
Diabetiker verfügen über wenig oder kein körpereigenes Insulin. Daher muss bei fortgeschrittenem Diabetes mellitus Typ 2 Insulin zugeführt und individuell auf das Essen abgestimmt werden. Die Kohlenhydrate spielen dabei die zentrale Rolle. Sie werden im Darm zu Einfachzucker (Traubenzucker = Glukose) abgebaut und von dort ins Blut aufgenommen. Das Blut transportiert die Glukose zu den Körperzellen und versorgt diese so mit Energie. Für den Transport der Zuckerteile in die Zellen wird nun das Hormon Insulin benötigt. Insulin wirkt wie ein Schlüssel. Nur wenn der «Schlüssel steckt», gelangen die Zuckerteile in die Zellen.

Mit «Kohlenhydrate» sind alle Zuckerarten gemeint. Dazu gehören stärkehaltige Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Reis, Teigwaren, Brot, Hülsenfrüchte, aber auch Süssigkeiten, Früchte, Gemüse, Milch und Milchprodukte. Diabetiker sollten nahrungsfaserreiche Kohlenhydrate wie Voll kornprodukte und Hülsenfrüchte oder Menüs mit viel Gemüse bevorzugen; diese lassen den Blutzucker langsamer ansteigen. Ungünstige Kohlenhydrate sind beispielsweise gesüsste Getränke und Weissbrot. Diese verursachen ein rasches Ansteigen des Blutzuckerspiegels. Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen für den Alltag: 

  • Kombinieren Sie Kohlenhydrate mit Eiweiss, Nahrungsfasern und wenig Fett. Füllen Sie den Teller mit 2/5 Gemüse, 2/5 Beilagen und 1/5 Eiweiss fettarm zubereitet.
  • Verteilen Sie die Kohlenhydrate auf drei Hauptmahlzeiten. 
  • Zwischenmahlzeiten sind nur für Diabetiker geeignet, die nicht übergewichtig sind.

Süsses im richtigen Maß erlaubt
Zucker war für Diabetiker lange Zeit tabu. Doch neue Studien haben gezeigt: Diabetiker müssen nicht ganz auf Zucker verzichten und brauchen keine speziellen Lebensmittel wie beispielsweise Diabetikerschokolade. Heute ist eine kleine Menge Süsses erlaubt (z. B. 1 Stück Cake, 2 – 3 Guetzli, 1 Kugel Rahmglace, 1 1/2 Reiheli Schokolade). Dabei sollten folgende Punkte berücksichtigt werden: 

  • Geniessen Sie Süsses dreimal pro Woche bis höchstens einmal pro Tag, je nach Blutzuckerwert und aktuellem Gewicht.
  • Konsumieren Sie Süsses zu den Hauptmahlzeiten und nicht zwischendurch; die im Menü enthaltenen Bestandteile wie Nahrungsfasern, Eiweiss und Fett bremsen den raschen Blutzuckeranstieg.
  • Süsses in flüssiger Form (Limonade, Fruchtsäfte, Sorbet) bleibt weiterhin ungeeignet.

Fettmenge und -qualität beachten
Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Herzin farkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen. Zur Vorbeugung sollte die Fettzufuhr redu ziert und es sollten günstige Fette wie Oliven- und Rapsöl bevorzugt werden. Ungünstige Fette sind gesättigte Fettsäuren in tierischen Produkten. Deshalb sparsam mit fettreichen
Wurstwaren, Vollmilchprodukten und Rahm umgehen.

Ein Gläschen in Ehren
Beim Alkohol gelten die gleichen Empfehlungen wie für Nichtdiabetiker. Ein moderater Alkoholgenuss ist erlaubt. Das bedeutet für einen Mann 20 g Alkohol (entspricht 2 dl Wein) pro Tag und 10 g (entspricht 1 dl Wein) für eine Frau. 

Diabetes mellitus Typ 1
Diabetes mellitus Typ 1, früher auch «Jugenddiabetes» genannt, entsteht aus einem Insulin-Mangel infolge Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Als Ursachen gelten heute das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung und äusseren Faktoren (beispielsweise Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems. 

Diabetes mellitus Typ 2
Diabetes mellitus Typ 2 kommt dadurch zustande, dass die Körperzellen
vermindert auf Insulin ansprechen. Er macht sich meist nach dem 40. Lebensjahr erstmals bemerkbar und wurde deshalb früher auch als «Altersdiabetes» bezeichnet. Es können aber auch Jugendliche und junge Erwachsene davon betroffen sein. Auslösende Faktoren sind fettreiche Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel.
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