«Wir haben nur diese Welt» – In seinem Lied thematisiert Rapper Stress schonungslos, dass ein Klimawandel stattfindet, der vom Menschen mindestens mitverursacht wird. Unsere Ernährungsspezialistin Marlène Gautschi hat sich mit Martina Bosshard, Verantwortliche Kommunikation Nachhaltigkeit der Migros, unterhalten und sich erkundigt, welchen Beitrag der Detailriese zum Klimaschutz leistet.
Frau Bosshard, was unternimmt die Migros gegen die Klimaerwärmung?
Die Migros engagiert sich seit drei Jahrzehnten für eine umweltbewusste Geschäftstätigkeit. Dank der Zusammenarbeit mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) verfügt die Migros seit 2002 über verbindliche Vorgaben zur Erhöhung der Energieeffizienz und Reduktion des Kohlendioxidausstosses. Diese gelten für sämtliche Filialen, Betriebszentralen, Industriebetriebe sowie für den Transport. Mit einem Umweltcontrolling überprüft die Migros, ob die individuellen jährlichen Umweltziele erreicht werden. Und seit Mitte 2007 ist die Migros Mitglied der WWF Climate Group, mit der ebenfalls konkrete Ziele, Massnahmen und ein Controlling definiert wurden.
Die importierten Lebensmittel werden zum Teil von weit hergekarrt oder geflogen. Was unternimmt Ihre Firma, um den CO2 Ausstoss zu verringern?
Nur ein kleiner Anteil - unter einem Prozent - kommt mit dem Flugzeug in die Schweiz. Die Migros optimiert die Transporte laufend und fördert umweltschonende Logistik. Als grösste Kundin von SBB Cargo transportieren wir immer mehr Güter mit der Bahn. Um Lastwagentransporte kommt man in der Feinverteilung der Güter leider nicht herum. Aber auch Strassentransporte werden durch bessere Auslastung, optimale Routenwahl, Chauffeurschulung, eine moderne Flotte und Einsatz alternativer Treibstoffe optimiert. Die Genossenschaft Migros Zürich zum Beispiel setzt elf klimaschonende Lastwagen ein, die mit Biogas aus organischen Abfällen fahren. So konnten wir den CO2-Ausstoss stark reduzieren.
Wie erkenne ich als Kunde, ob ein Produkt klimafreundlich ist?
Die Migros ist die grösste Abnehmerin der Schweizer Landwirtschaft und die Herkunft unserer Produkte ist klar deklariert. Noch besser ist es, Produkte mit dem Label «Aus der Region, für die Region» zu kaufen. Das schafft kürzere Transportwege vom Produzenten zur Verkaufsstelle. Für die Ökobilanz spielt aber nicht nur die Herkunft eine bedeutende Rolle. Mitberücksichtigt werden müssen Produktion (IP, Bio), Konservierung (frisch, gekühlt, erhitzt, tiefgekühlt), Verpackung (Plastikfolie, Papier, Metall, Glas) und Konsum (frisch oder erhitzt). Deshalb können Produkte aus Italien oder Spanien klimafreundlicher sein, wenn sie unter freiem Himmel statt im Treibhaus wachsen, als solche aus der Schweiz. Oder beispielsweise generiert ein Apfel, der mit dem Schiff aus Übersee importiert wird, deutlich weniger Energie, als wenn er nach der Ernte in der Schweiz noch Monate im Kühllager liegt. Das Label «Approved by climatop» ist das erste Gütesiegel, das die Produkte einer Klimabilanz unterzieht. Migros führt zum Beispiel den CO2-Champion Bio-Zucker von Max Havelaar. Die Klimabelastung dieses Zuckers aus Paraguay liegt trotz langer Transportdistanzen rund 40 Prozent tiefer als bei einheimischem Zucker. Der Hauptgrund dafür ist, dass der Anbau von Zuckerrohr und die Zuckergewinnung viel weniger energieaufwändig sind als bei Zuckerrüben.
Bio boomt. Wie stark schont die nachhaltige Landwirtschaft das Klima?
Ein Biokonsumtrend ist deutlich spürbar. Die Schweizer Konsumenten sind qualitätsbewusst und schätzen den natürlichen Geschmack. Zudem schont der Biolandanbau die Naturressourcen. Zur Düngung setzt die biologische Landwirtschaft kompostierte Ernterückstände und tierische Dünger ein. Sie bauen mehr CO2 in den Humus ein, wodurch CO2 in der Atmosphäre reduziert wird. Biogemüse verschleudert kein Heizöl. Bio Suisse Betriebe dürfen ihre Gewächshäuser nicht heizen, sondern nur frostfrei halten.
Gleichzeitig verlangt der Konsument immer mehr Convenience- und Tiefkühl-Produkte. Sind diese Produkte, auch wenn sie ökologisch hergestellt wurden, nicht Energiefresser?
Vor allem die Kühlung dieser Produkte ist relativ energieintensiv. Dies wird allerdings durch professionelle und rationelle Herstellung der Produkte in modernen Grossbetrieben teilweise kompensiert. Die Industrie kann in einem Durchgang 110'000 Fertigmenus herstellen. Man stelle sich vor, wie viel Energie 10'000 Kochherde, Backöfen, Steamer, Mikrowellengeräte usw. verbrauchen, wenn die Menus einzeln zubereitet würden.
