Zwei Frauen hocken mit einem Kind draussen im Herbstlaub.

Natürliche Bewegungen im Alltag – Hocken und hüpfen neu gelernt

Kriechen kauern, kraxeln: Viele Bewegungen, die einst so selbstverständlich waren wie atmen, sind im Alltag leise verschwunden. Doch unser Körper hat sie nicht vergessen – er wartet nur darauf, sich wieder an sie zu erinnern.

   Kurz und einfach

Früher haben sich Menschen viel mehr bewegt als heute.
Sie sind gehockt, gekrochen, geklettert, gelaufen.
Heute sitzen wir viel.
Darum hat unser Körper diese Bewegungen verlernt.
Man kann sie aber wieder üben.

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie Kinder spielend in die Hocke gehen – völlig vertieft und minutenlang ohne jede Anstrengung? Für viele Erwachsene fühlt sich diese Position dagegen unbequem oder gar schmerzhaft an. Dabei ist das Hocken eine der ältesten und natürlichsten Körperhaltungen der Menschheit. In vielen Teilen der Welt ist sie bis heute ganz normaler Alltag.

 

Warum wir unbeweglich werden

In unserer modernen Welt haben wir viele dieser natürlichen Bewegungen vergessen. Wir gehen kaum noch barfuss, klettern nicht mehr auf Baume, kriechen nicht mehr durch Busche und balancieren nicht mehr auf Mauern. Stattdessen sitzen wir stundenlang auf Stuhlen, gehen fast nur geradeaus und bewegen uns in festen, immer gleichen Bahnen. Die Vielfalt der natürlichen Bewegung ist verblasst – nicht, weil wir sie verlernt haben, sondern weil wir sie schlicht nicht mehr nutzen.

Das hinterlässt Spuren: Die Beweglichkeit lässt nach, die Kraft schwindet, das Gleichgewicht wird instabil, die Koordination schlechter. Dazu kommen häufig Rücken- oder Gelenkschmerzen sowie Verspannungen. Nicht selten bleibt das Gefühl, körperlich aus dem Takt geraten zu sein. Unser Körper sehnt sich nach Abwechslung, nach Herausforderungen – ganz einfach nach Bewegung in ihrer ganzen Vielfalt.

Die gute Nachricht: Unser Körper erinnert sich. Und das sogar erstaunlich schnell. Sobald wir ihm neue Impulse geben, beginnt er, alte Muster wieder aufleben zu lassen. Ein bisschen Kreativität und etwas Mut genügen, um neue Bewegungsfreude zu entdecken.

 

Zurück zur Vielfalt

Wann haben Sie zuletzt einen Purzelbaum gemacht? Oder barfuss das Gras unter den Füssen gespürt? Auch in der kühleren Jahreszeit ist es möglich, natürliche Bewegung in den Alltag einzubauen. Schreiben Sie Nachrichten auf Ihrem Smartphone in der Hocke, tanzen Sie zu Ihrem Lieblingslied, hangen Sie sich im Park solange es geht an eine Reckstange oder gehen Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang im Schnee einige Schritte rückwärts.

Wenn Sie das nächste Mal laufen oder wandern gehen: Gehen Sie für zwei Minuten seitlich oder heben Sie bei jedem dritten Schritt das Knie an. Klingt ungewohnt? Genau das ist der Reiz. Das grösste Risiko? Vielleicht ein paar verdutzte Blicke – aber die sind nichts im Vergleich zu dem, was Sie verlieren, wenn Ihre Beweglichkeit und Koordination verkümmern.

eine Illustration von einem jungen Mann der in der Hocke seinen Hund am Boden streichelt

Kleine Impulse für mehr Bewegung im Alltag – grosse Wirkung

Wer seine gewohnten Bewegungsmuster regelmässig durchbricht, trainiert nicht nur seinen Körper, sondern bringt auch frischen Wind in den Alltag. Seien Sie mutig, werden Sie kreativ und lassen Sie die vielseitige Bewegung wieder in ihren Alltag einziehen. Sie benötigen Inspiration? Hier sind einige alltagstaugliche Ideen:

  • Stehen Sie beim Zähneputzen auf einem Beim – morgens links, abends rechts.
  • Setzen Sie sich zum Fernsehen oder Lesen ein paar Minuten in die Hocke.
  • Verbinden Sie das Fernsehen immer mit ein paar Minuten leichten Stretching-Übungen.
  • Tragen Sie den Einkaufskorb abwechselnd mit der linken und rechten Hand.
  • Überbrücken Sie Wartezeiten an der Bushaltestelle mit Kniebeugen oder heben sie Ihre Fersen ein paar Mal an.
  • Gehen Sie Treppen rückwärts hinab – bitte langsam und vorsichtig.
  • Tragen Sie den Wäschekorb mit ausgestreckten Armen über den Kopf zur Waschmaschine – achten Sie darauf, dass der Korb anfangs nicht allzu schwer ist.
  • Nehmen Sie beim Treppensteigen immer 2 oder sogar 3 Stufen auf einmal.
  • Stehen Sie bei sitzenden Tätigkeiten, zum Beispiel im Büro, alle 45 Minuten auf und machen ein paar Übungen.
  • Nutzen Sie Spielplätze auf Ihrem Weg, um ein paar Stütz- oder Hängeübungen am Gerätepark zu machen. Das ist ideal für das Training der Griffkraft.
  • Bauen Sie bei jedem Spaziergang einen kurzen Spring von 50 Metern ein. 

 

 Mit diesen Tipps fällt es leichter, Sport als Ihren alltäglichen Wegbegleiter zu begrüssen: Jeden Tag Sport – Tipps für mehr Bewegung im Alltag - CONCORDIA

Einladung zum Erinnern

Der Winter lädt ein zum Erinnern: Welche Bewegung haben Sie im Laufe der Jahre vergessen? Was haben Sie als Kind geliebt und warum haben Sie damit aufgehört? Die Antwort liegt im Tun. Denn unser Körper braucht keine Bedienungsanleitung. Er erinnert sich selbst, wenn wir ihm die Chance dazu geben.

Bleiben Sie neugierig, probieren Sie Neues aus. Holen Sie vergessene Bewegungen wie Sprinten, Balancieren oder Hangen wieder zurück in Ihr Leben. Geben Sie der natürlichen Bewegung wieder einen festen Platz im Alltag. Ihr Körper und Geist werden es Ihnen danken.