Eine Mutter begrüsst herzlich ihre beiden Kindern zu Hause.

Heimat verstehen

Alle sind irgendwo zu Hause. Aber was ist eigentlich «Heimat»? Es ist ein geografischer Ort – und weit mehr als das. Was die Psychologie dazu weiss.

Esther Damas
2 Min. Lesedauer

   Kurz und einfach

Heimat beginnt in der Kindheit.
Die Erfahrungen prägen uns.
Sie geben Schutz und Halt.
Wir können das Gefühl von Heimat beeinflussen und weitergeben.
Wenn über Heimat nachgedacht wird, tönt das zum Beispiel so:
Heimat ist der Duft unserer Erinnerungen.
Anke Maggauer-Kirsche
Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.
Theodor Fontane
Heimat ist da, wo wir verstehen und verstanden werden.
Karl Jaspers
Wenn du mich in Luzern wegen meines asiatischen Aussehens auf Englisch ansprichst, dann fühle ich mich nicht zu Hause.
Schweizer Bürgerin

Kindheit als Ursprung

Die ursprüngliche Heimat eines Menschen ist der Ort, an dem er erste sinnliche Erfahrungen mit seiner Umgebung macht. So wie es hier riecht, schmeckt, klingt und aussieht, ist es in Ordnung. Ein Kind erlebt sein Umfeld als selbstverständlich und richtig. Im Idealfall entsteht ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Mit diesem inneren Vorbild von Heimat werden alle künftigen Erfahrungen verglichen. 

 

Drei psychologische Dimensionen

Was braucht es aus psychologischer Sicht, damit ein Heimatgefühl entsteht? Die Psychologin Beate Mitzscherlich beschreibt drei Dimensionen des Heimatgefühls:

 

  • 1.    Das Gefühl, Kontrolle zu haben
    Ich verstehe meine Umgebung und kenne die Regeln, die hier gelten. Ich kann mich hier orientieren und weiss, wie ich mich richtig verhalte.
  • 2.    Das Gefühl der Zugehörigkeit
    Ich kenne hier andere Menschen, sie kennen mich und ich werde anerkannt als gleichwertiger Mitmensch. Ich fühle mich mit anderen emotional verbunden und teile ihre Werte.
  • 3.    Das Gefühl der Verstehbarkeit, Machbarkeit und Sinnhaftigkeit
    Ich verstehe, warum ich hier lebe, kenne meine Aufgaben und weiss, wie ich diese löse. Ich bin grundsätzlich überzeugt, dass es für mich Sinn macht, hier zu leben.
Auf einer Illustration werden die 3 Dimensionen von Heimat aufgezeigt.

Was bedeutet das im Alltag?

Mit diesen Erklärungen aus der Psychologie lassen sich die eingangs zitierten Stimmen besser einordnen. Der Duft der Erinnerungen weht aus dem ersten Heimatort heraus. Sie erscheint als Selbstverständlichkeit, bis in der Fremde Heimweh aufkommt. Zu Hause fühlt sich, wer versteht und verstanden wird und sich mit Mitmenschen verbunden fühlt. Jetzt können wir auch besser nachvollziehen: Mit dem wohlgemeinten englischen «Hello» geben wir der Schweizerin mit den asiatischen Wurzeln das Gefühl, nicht dazuzugehören.

 

Heimat stärken, Heimweh lindern

Jetzt, wo klar ist, welche psychologischen Faktoren mit dem Gefühl von Heimat zusammenhängen, ergeben sich neue Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Möchten Sie Ihr Heimatgefühl stärken oder ein Heimweh etwas lindern?

 

Folgende Fragen können helfen:
  • Kann ich meine Umgebung besser erkunden und verstehen?
  • Kann ich mich besser vernetzen?
  • Kann ich etwas verändern, damit es für mich mehr Sinn macht, genau hier zu wohnen?
Mit einem herzlichen Gruss in der Heimatsprache können wir vielleicht sogar bei unseren Mitmenschen zum Heimatgefühl beitragen.